Atelier


Ein Vierkanthof im Mostviertel. Rosen wachsen rund ums Haus, Lavendel blüht. Wir gehen durch das Haus in den kompakten Innenhof. In wenigen Schritten sind wir im Atelier. Arbeiten stapeln sich auf den Tischen. In satten Erdfarben schichten sich die bemalten Papiere wie Sedimente ganzer Gebirgszüge. Dazwischen taucht leuchtend ein ultramarinblauer See auf. In Form einer quadratisch anmutenden Fläche. Klaudia Stöckl erklärt: „Dazwischen juckt es mich wieder, Farben ins Spiel zu bringen.“ Die Arbeiten charakterisieren Oberflächen, die je nach Lichteinfall ihr Aussehen verändern. Das Papier ist bockig, wellt sich, hat Körper. Verschiedene Stufen an Abstraktion, die aus den Erlebnissen in der Natur beim Streifen durch die Wälder entstehen, werden deutlich. Kompositionen, deren spröde, manchmal rissige Haut etwas Verletzliches innewohnt.

Wir treten wieder hinaus in den Sommertag und gehen in die eigentliche Werkstätte. Eine Scheune, die nur in der schönen Jahreszeit genutzt werden kann. Am Boden trocknen die Blätter. Kraftvolle Zeichen breiten sich auf den Papieren organisch aus. Tageslicht dringt gedämpft in den Stadel. Der Rückzug in das Atelier mitten am Land, das ist die eine Seite, die Reisen, das Eintauchen in das Leben in Städten, Besuche von Konzerten, Museen, die andere. Klaudia Stöckl wechselt mühelos zwischen den Welten. Und geht dabei immer bis an die eigenen Grenzen.

(Dr. Theresia Hauenfels, Juni 2012)

 

Typischer könnte die Landschaft des Mostviertels nicht sein; hinauf, von Kröllendorf kommend, die Landstraße ins Angerholz. Selbst im spröden Winter zeigt sie schon jene Reize, für die sie dann im Frühling so berühmt ist.
Dort in diesem Herzstück des Mostviertels lebt und arbeitet die Künstlerin Klaudia Stöckl. Vierkantig der Hof, mit dem zum Atelier umfunktionierten Kuhstall.

Diese Heimat, geboren wurde die Künstlerin in der Nachbargemeinde Sonntagberg, wird prägend für Klaudia Stöckls künstlerisches Schaffen. Die Landschaft, der Raum sind zentrale Themen in ihren Arbeiten. Die Landschaft, sei es die heimatliche oder die mediterrane, südliche, wird abstrahiert, aufgelöst und bleibt trotzdem real erfühlbar. Flächige Erdtöne werden mit mutiger Kraft akzentuiert und Raum und Tiefe gewinnen an Bedeutung. Für Klaudia Stöckl, die von der Grafik, der Zeichnung kommt sind auch Körper, wie der menschliche Landschaften, die es zu ergründen, aufzulösen gilt. Beim Akt setzt sie mehrheitlich auf Kohle, in ihren großflächigeren  Arbeiten lösen Acryl und Öl zusehends das Aquarell ablöst.

Die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Thema Landschaft ist für Klaudia Stöckl ein wichtiger Faktor Zugang zu finden und mit einer unikaten Bild- und Formensprache setzt sie ihre Vorstellungen in Kunst um.
„Ich male, weil ich malen muss und malen will – aus einer Notwendigkeit heraus,  erst wenn ich male, bin ich ganz bei mir. Nichts ist faszinierender als mit der Natur in Verbindung zu treten, sich als ein Teil von ihr zu fühlen.“ Diesen Satz formuliert die Künstlerin und nimmt damit Stellung zu ihrem Kunstverständnis.

Ybbstaler, Februar 2004